Die Kinder der Braunschweiger Straße

Für das Neuköllner Filmprojekt erkundeten Kinder und Jugendliche ihren Stadtteil und erfuhren, wie es dort vor 100 Jahren aussah. Damit auch andere zukünftig auf Zeitreise gehen können, haben die rund zehn Teilnehmer im Alter von neun bis zwölf Jahren ihre historischen Stadteilerkundungen in einem Film festgehalten.

Das Gestern im Heute: Umfelderkundung aus historischer Perspektive
In ihrem Film Kinder der Braunschweiger Straße sieht man die TeilnehmerInnen durch das heutige Neukölln laufen, doch die Vergangenheit ist präsent: Immer wieder werden alte Aufnahmen eingeblendet, vor deren Kulisse die jungen StadtteilexpertInnen historische Hintergründe erläutern. Im Mittelpunkt der filmischen Erzählung steht die Braunschweiger Straße mit angrenzenden Plätzen und Gebäuden, also das direkte Lebensumfeld der Kinder, die fast alle in dieser Straße wohnen. So erfährt der Zuschauer, dass auf dem Schulhof der Grundschule einst das Gaswerk am Droryplatz war und dass in der Kannerstraße anstelle der von der AWO betriebene KITA um 1910 ein Kinderheim stand. „Die Frage, wie es hier vor 100 Jahren aussah, war für die Kinder zunächst recht abstrakt und wenig greifbar“ sagt Anna Schöllhorn, die das Projekt am ITZ – Interkulturelles Theaterzentrum geleitet hat. Die historischen Aufnahmen halfen den Kindern, ein zeitliches Gefühl für die Orte zu entwickeln, an denen sie jeden Tag sind.

Die Braunschweiger Straße heute
Und der Film beweist, wie viel Freude ein Perspektivwechsel machen kann und welche Denkanstöße ein frischer Blick bewirken kann. Denn nicht nur die Vergangenheit interessiert die Teilnehmenden, auch das Hier und Jetzt kommt in dem Film zur Sprache. Ganz zentral zu nennen ist die Schließung eines Kiosks, der von Kindern und Jugendlichen im Viertel hoch frequentiert wird. Dass der von zwei älteren Damen betriebene Kiosk schließt, beschäftigte die Kinder sehr, und sie entschieden sich, die Schließung in mehreren Interviews mit den Betreiberinnen filmisch zu begleiten. So gelingt den jungen Filmschaffenden eine filmische Dokumentation der aktuellen Veränderungen in ihrem Viertel. Dass sie diese aktiv mitgestalten möchten, klingt vielerorts an: Auf die Rutsche, die auf dem Spielplatz fehlt, würden zwei der Teilnehmerinnen beispielsweise den Zuständigen in der Bezirksverwaltung am liebsten persönlich ansprechen. Oft kommen auch Bilder vom auf der Straße liegenden Müll und illegal entsorgten Möbeln im Hof vor, ein echtes Problem in dem Stadtteil, das von den jungen StadtteilexpertInnen kritisiert und mit „Ihhh, hier stinkts!“ kommentiert wird.

Lokale Konflikte werden zumindest zeitweise überwunden
Eine überraschend große Herausforderung für die Projektverantwortlichen war ein im Viertel schwelender Konflikt zwischen Kindern arabischer Herkunft und Kindern aus Sinti- und Roma-Familien. Und obwohl die eingefahrene Situation nicht überwunden werden konnte und nicht alle Kinder an dem Filmprojekt teilnehmen durften, stießen zu der von Sinti- und Roma-Kindern dominierten Gruppe immer wieder arabische Kinder aus der Gegend hinzu. Ein toller Erfolg für die „Kinder aus der Braunschweiger Straße“, denn dass arabische und Sinti- und Roma-Kinder an demselben Projekt teilnähmen, sei eher untypisch, so Anna Schöllhorn. Und so konnten die Kinder in dem Filmprojekt über ihre Straße nicht nur für die Geschichte ihres Umfelds sensibilisiert werden und sich filmische Kompetenzen aneignen, sondern auch einen lokalen Konflikt punktuell für die Zeit des Projekts beilegen.

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