Meine Sicht der Dinge

Acht Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund beschäftigten sich in der Begegnungsstätte Westliche Unterstadt in Mannheim intensiv mit der Perspektive als grundlegendes Gestaltungselement der Fotografie. Ganz nebenbei haben die Teilnehmerinnen über die praktische, fotografische Arbeit ein Gespür dafür entwickelt, dass alles in einem anderen Licht erscheinen kann. Mehrere Blicke auf ein und dieselbe Sache sind nämlich immer möglich!

„Eine eigene Sicht der Dinge zu haben, ist nicht unbedingt üblich oder gar erwünscht“

Für die 11 bis 14-jährigen Mädchen ist das Einnehmen verschiedener Sichtweisen nicht selbstverständlich. In den oftmals patriarchalisch geprägten Familien stellt sich für die Mädchen sogar die Frage, ob man eine Perspektive überhaupt einnehmen darf. „Eine eigene Sicht der Dinge zu haben, ist nicht unbedingt üblich oder gar erwünscht“ erklärt uns die Projektleiterin Heike Grönert. Daher war dieses Projekt für die Stärkung des Selbstbewusstseins der Mädchen enorm wichtig. Obschon sie aus Familien stammen, die teilweise seit der dritten Generation in Deutschland leben, meistern sie täglich ein Leben in zwei Kulturen. Dazu gehören das Ausbalancieren unterschiedlicher Sichtweisen und die sich daraus ergebenden Konflikte. Umso wichtiger ist es, seinen eigenen Standpunkt gut zu kennen.

Zunächst experimentierten die Teilnehmerinnen mit unterschiedlichen Kameras und suchten sich eigenständig Motive. Dabei stand es ihnen frei, Exkursionsorte in der Mannheimer Umgebung zu wählen. Interessanterweise zeigen die Arbeiten der Mädchen, dass das Motiv oft in nächster Nähe gesucht wurde. Viele Fotografien entstanden sogar auf dem Hof der Einrichtung. Das hat auch die Projektleiterin überrascht. Die Mädchen nutzten die erlernten Techniken bewusst, um Wohlbekanntes neu zu gestalten. „Durch die Linse mit anderen Augen sehen, was einem im Alltag umgibt“ nennt Grönert das.

Dass ihre Sicht der Dinge zählt, wurde insbesondere durch die Ausstellung der im Projekt entstandenen Fotografien bekräftigt. „Ich kann es nicht glauben, dass meine Bilder hier hängen dürfen“ freut sich eine der Teilnehmerinnen. Auch vorher verbuchte Heike Grönert schon erste Transferleistungen. So schlich sich während des Projekts plötzlich die Formulierung „da kann man aber auch eine andere Sicht drauf haben“ in den Sprachgebrauch der Mädchen ein.

Die Ausstellung ist nach einer Sommerpause noch vom 21. August bis zum 3. September im Café Filsbach in Mannheim Westliche Unterstadt zu sehen.

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