Die Auswahl der "Ich kann was!"-Projekte

Anlässlich der Jurysitzung, in der die „Ich kann was!“-Projekte 2017 ausgewählt wurden, haben wir mit Norbert Hocke gesprochen. Das frühere Mitglied im Hauptvorstand der Gewerkschaft und Erziehung (GEW) hat in diesem Jahr den Vorsitz der „Ich kann was!“-Jury übernommen und den Auswahlprozess von Anfang an mitbegleitet. 

Mitte September ist erstmals die neue Jury der „Ich kann was!“-Initiative zusammengetreten, um die Projekte für die diesjährige Förderung auszuwählen. Herr Hocke, Sie sind der Vorsitzende der Fachjury. Was hat Sie motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Motiviert hat mich zuallererst der Name der Initiative: „Ich kann was!“. Er setzt an den Stärken von Kindern und Jugendlichen an, macht Mut und ist zugleich eine Aufforderung, Dinge aktiv anzugehen. Mich hat interessiert, was dahintersteckt. Auch der Ansatz der Telekom-Stiftung, direkt auf Kinder und Jugendliche zuzugehen und sie zu motivieren, unterscheidet sich von anderen Projekten, bei denen ich schon als Beirat mitgearbeitet habe. Das wollte ich unterstützen. 

Viele unterschiedliche, interessant klingende Projekte haben sich beworben. Eine Entscheidung zu treffen, fällt da sicher nicht leicht. Was wurde besonders intensiv oder kontrovers diskutiert? 
Einfach war es nicht. Im Prinzip gibt es zwei Typen von Projektideen, die im Rahmen der Ausschreibung eingereicht wurden. Zum einen sind es Bewerbungen, bei denen man spürt: Hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen mit den Kindern und Jugendlichen auf der Suche nach einem Projekt, das von den Kindern angestoßen und dessen konkrete Ausgestaltung durch Nachfragen und Unterstützung der Mitarbeiter weiter vertieft wurde. Das ist die eine Richtung. Die andere Richtung ist die, dass ein paar Mitarbeiter eine Idee haben und dann überlegen, ob man damit nicht etwas für die Kinder machen kann. Innerhalb dieser beiden Linien versuchen wir als Jury aus den Bewerbungen herauszukitzeln, wo für die digitale Lebenswelt der nächsten Generation etwas Neues und Spannendes drinsteckt, wo etwas ist, das die Kinder und Jugendlichen wirklich brauchen – und wo sich diese selber gut einbringen können. 

Das klingt nach Detektivarbeit. Sind Sie fündig geworden? Was zeichnet die ausgewählten Projekte insgesamt aus?
Ja, wir sind fündig geworden. Es gibt viele interessante Projektansätze unter den Bewerbungen – und Gemeinsamkeiten. Aufgefallen ist uns, dass in vielen Fällen die Kinder und Jugendlichen weiter sind als die Projektleiter, die das Thema an sie herantragen. Sie haben den ersten Schritt mit den neuen Medien bereits gemacht und suchen jetzt den „Blick hinter die Kulissen“. Sie wollen nicht mehr nur „gamen“, sie wollen das Spiel verändern und gestalten können. Das ist ein entscheidender Schritt. Genau in dieser Phase brauchen Kinder und Jugendliche eine Begleitung. Den Rest machen die jungen Leute dann schon selber. 
Was uns als Fachjury der „Ich kann was!“-Initiative auch wichtig ist: Wir wissen, dass die offene Kinder- und Jugendarbeit es gegenüber den institutionellen Bildungsbereichen relativ schwer hat. Deshalb liegt ein Augenmerk des Projekts der Telekom-Stiftung darauf, wie es nach der Förderphase weitergeht. Was machen die Jugendlichen, wenn das Projekt abgeschlossen ist? Werden sie in die Lage versetzt, aus dem Impuls selbstständig etwas zu machen? Was macht die Einrichtung, wenn die Förderung ausläuft? Kommt dann ein neues Projekt aus Natur oder Kunst, hangelt man sich von Projekt zu Projekt? Hier möchte die Deutsche Telekom Stiftung eine kontinuierliche Entwicklung unterstützen. Deshalb haben wir nach Ansätzen gesucht, die nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Einrichtungen dabei unterstützen, den Fokus zu verändern. 

Die „Ich kann was!“-Initiative fördert seit 2009 Kinder und Jugendliche beim Erwerb von Schlüsselkompetenzen. Mit der Fokussierung auf mediale und digitale Fähigkeiten hat ab diesem Jahr einen dauerhaften Schwerpunkt. Welche Möglichkeiten ergeben sich mit dem Einsatz von digitalen Praxisprojekten in der offenen Kinder- und Jugendarbeit? 
Wir erschließen uns aus meiner Sicht ein Riesenpotenzial. Wir erreichen gerade hier viele Kinder und Jugendliche, die in der Schule oder in der Ausbildung oft nicht angesprochen werden können. In der „traditionellen“ Schule ist der Ansatz eher: Du musst etwas können und wir bringen dir das bei! Die Praxisprojekte und die „Ich kann was!“-Initiative setzen dagegen an den Stärken der Kinder und Jugendlichen an. Die mögen oft nicht sichtbar sein, aber die Aufgabe der Mitarbeiter in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist es, genau diese verschütteten Ressourcen aufzuspüren und die Kinder und Jugendlichen dann zu unterstützen, daraus etwas zu machen. 
Kinder und Jugendliche sind in diesem Bereich viel offener ansprechbar und offener für Neues. Es macht einen Unterschied, ob sie vorher schon einmal bei einem Videoprojekt mitgemacht haben und jetzt versuchen, selbst einen Film zu erarbeiten. Oder ob sie digitale Orte in der Stadt aufsuchen und merken: Hier könnten wir mit unseren Geräten neue Dinge entwickeln, miteinander in Kontakt treten, uns einbringen. Hier werden wir nicht nur zum Objekt der neuen Medien gemacht. Das hilft, die individuelle Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen voranzubringen, macht sie stark für eine sich verändernde Lebenswelt. Ganz nebenbei kann das auch Inspiration für die Mitarbeiter der Einrichtungen sein und damit ganz andere Schneeballeffekte auslösen. Im Zusammenspiel mit der Ganztagsschule eröffnen sich hier völlig neue Dimensionen für Kooperation und Vernetzung. 

Welchen Beitrag kann die „Ich kann was!“-Initiative generell für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in einer digitalen Welt leisten?
Der Beitrag der Telekom-Stiftung mit dem Projekt „Ich kann was!“ liegt darin, dass es Kindern und Jugendlichen hilft, nicht nur als Konsumenten in diesen digitalen Welten aufzutreten, sondern auch mit Sinn und Verstand hinter die Kulissen zu schauen und selbst gestaltend aktiv zu werden. Und, dass sie gerade Kinder und Jugendliche aus einem schwierigen sozialen Umfeld dabei unterstützt, sich ein Handlungsfeld für die persönliche Entwicklung zu erschließen. Einen Bereich, bei dem sie durch das eigene Tun und Gestalten Erfolg spüren und dadurch Lust bekommen, die nächsten Schritte in dieser digitalen Welt zu gehen. 

Herr Hocke, haben Sie vielen Dank für das Interview!

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