„In digitalen Medien steckt kreatives Potenzial“

Die Deutsche Telekom Stiftung sucht in der neuen Ausschreibungsrunde der „Ich kann was!“-Initiative nach Projekten, die digitale Kompetenzen vermitteln. Anlässlich des Digi-Day, der Abschlussveranstaltung der „Ich kann was!“-Medienwerkstätten, erläutert Professor Wolfgang Schuster, Vorsitzender der Stiftung, warum er die Kinder- und Jugendarbeit als guten Lernort für den Umgang mit digitalen Medien sieht und was dies mit Bildungsgerechtigkeit zu tun hat.

Herr Professor Schuster, die Telekom-Stiftung hat bislang vor allem Projekte an Kitas, Schulen und Hochschulen unterstützt. Mit der „Ich kann was!“-Initiative, aber auch mit weiteren Projekten, engagieren Sie sich nun zunehmend für und mit Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Warum?

Weil auch dort unerlässliche Bildungsarbeit erbracht wird, die unserer Unterstützung bedarf. Vor allem leistet die Kinder- und Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Denn sie erreicht mit ihren niedrigschwelligen, freiwilligen Angeboten gerade auch diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sich im formalen System Schule schwertun. Die mannigfaltigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sind Räume für informelles Lernen. Hier können sich die Kinder und Jugendlichen ohne Erfolgsdruck, aber bei Bedarf mit Unterstützung ausprobieren, die eigene Selbstwirksamkeit erfahren und mehr oder weniger nebenbei die unterschiedlichsten Kompetenzen erwerben – von handwerklichem Können über das soziale Miteinander bis hin zu arbeitsweltbezogenen Fertigkeiten, zum Beispiel ein Bewerbungsschreiben zu formulieren. Schon aus früheren Projekten wissen wir, dass sich Kinder, die in der Schule kaum zu Konzentration finden, unter freieren Bedingungen plötzlich komplett auf ein Thema fokussieren können. Und das ist der Moment, in dem dann vertieftes Lernen stattfindet.

Warum setzt die Telekom-Stiftung als neuen Schwerpunkt der „Ich kann was!“-Initiative auf „Kompetenzen für die digitale Welt“?

Unser aller Leben ist zunehmend durch digitale Medien geprägt, beruflich wie privat. Nur wer mit ihnen umzugehen weiß, kann selbstständig und eigenverantwortlich handeln. Wer es dagegen nicht weiß, dem bleiben künftig viele Möglichkeiten zur Teilhabe verwehrt. Hier gilt es rechtzeitig gegenzusteuern und allen Kindern und Jugendlichen die nötige Unterstützung zu geben. Ohne entsprechende Bildung wird die Digitalisierung die Kluft zwischen Bildungsgewinnern und -verlierern vergrößern. Studien zeigen: Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern schneiden auch bei digitalen Kompetenzen schlechter ab. Das wiederum verstärkt soziale Unterschiede, weil man ohne sie in der Arbeitswelt schlechte Karten hat. Wir möchten deshalb dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche statt dieser Nachteile vielmehr die Vorteile und Chancen digitaler Medien erleben können.

Warum ist die Kinder- und Jugendarbeit dafür der richtige Ort?

Sie ist zum einen deutlich flexibler als das formale System Schule und kann mit ihren Angeboten prinzipiell freier und rascher auf neue Herausforderungen reagieren. Dazu brauchen die Einrichtungen aber entsprechende Rahmenbedingungen, sprich: fachkundiges Personal und Gelder, um die Angebote zu finanzieren. Zum anderen ist die Kinder- und Jugendarbeit so nah wie wohl kaum ein anderer Bildungsort an der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen dran und sieht, was sie brauchen und was sie motiviert. Daraus erwächst für mich aber auch eine Verpflichtung: Wer seine Angebote so stark an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausrichtet, kommt um das Thema Digitalisierung gar nicht herum und muss sich damit in pädagogischer Verantwortung auseinandersetzen. Und das kann nur heißen: Um die jungen Menschen in ihrer Selbstständigkeit und Mündigkeit zeitgemäß zu unterstützen, muss die Kinder- und Jugendarbeit ihnen auch in diesem Feld Lern- und Erprobungsort sein. Darin liegen für alle Beteiligten große Chancen – für die Einrichtungen, aber insbesondere für die Kinder und Jugendlichen.

Welche Chancen meinen Sie in erster Linie?

Hier kommt vor allem das kreative Potenzial digitaler Medien zum Tragen. Viele Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit nutzen es schon heute, indem sie die Kinder und Jugendlichen etwa anregen und unterstützen, mit dem Smartphone Fotostorys zu erstellen, eigene Kurzfilme zu drehen oder Hörspiele zu produzieren. Aber da gibt es noch so viel mehr, was sich durch das Digitale machen lässt und was Gestaltungsfreude, Erfindergeist und manchmal auch ganz neue Interessen weckt oder berufliche Perspektiven eröffnet. In unserem Projekt GestaltBar bauen Schülerinnen und Schüler unter anderem Roboter und programmieren sie so, dass sie sich zum Beispiel durch einen Parcours steuern lassen. Oder die Jugendlichen verwirklichen mit dem 3D-Drucker eigene Projektideen – ob Handy-Halter, Seifenschalen oder kleine Ersatzteile aus Plastik. Das mag zunächst nach netten Spielereien klingen, aber in dieser kreativen Arbeit mit digitalen Medien erleben die Kinder und Jugendlichen sich nicht nur selbst als erfolgreiche Tüftler, sondern sie erkennen dabei auch einzelne Funktionsweisen der digitalen Welt. In diesen einfachen, aber kreativen Zugängen zu den Bereichen Informatik und Technik liegt gerade auch für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche eine wertvolle Chance. Die „Ich kann was!“-Medienwerkstätten bestätigen das gleichermaßen. Und sie unterstreichen, wie gut der Ansatz gerade in die offene Kinder- und Jugendarbeit passt: Wenn in den Projekten nur einige Kinder angefangen hatten, zog ihre Begeisterung schließlich noch viele andere mit.

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