„Kinder lernen bei uns selbsttätig“

In der HABA Digitalwerkstatt können Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren in Berlin, Hamburg und München die digitale Welt erkunden. Die Kurse und Workshops sind hoch frequentiert. Wir haben Julia Eckhoff, die die Digitalwerkstatt in Berlin leitet, nach dem Erfolgsrezept gefragt.

Frau Eckhoff, Sie leiten die HABA Digitalwerkstatt in Berlin-Mitte seit ihrer Eröffnung Anfang 2016 und haben das Projekt mit aufgebaut. In Ihren Kursen und Workshops können Kinder die digitale Welt entdecken. Ihr Fazit nach zwei Jahren: Was macht das Angebot der Digitalwerkstatt aus, dass Sie damit offensichtlich so direkt den Nerv der Zeit treffen? 

Die Digitalisierung verändert unser Leben in vielfältiger Weise und hat auch die Lebenswelt unserer Kinder längst erreicht. Kinder interessieren sich für Technologie. Sie sind neugierig darauf und möchten sich damit beschäftigen. Mit der Digitalwerkstatt haben wir einen Bildungs- und Erfahrungsraum geschaffen, in dem ihnen das auf kreative und altersgerechte Weise ermöglicht wird. Bei uns lernen Kinder digitale Werkzeuge spielerisch kennen und können eigene Ideen und Projekte damit realisieren. So machen sie zum Beispiel die Erfahrung, dass es viel aufregender sein kann, ein eigenes Spiel zu programmieren statt nur zu spielen. Ich denke, dass unser handlungsorientierter Ansatz wesentlich zum Erfolg beiträgt. Die Kinder lernen bei uns selbsttätig. Wir trauen ihnen etwas zu, geben ihnen aber auch einen Rahmen, in dem sie sicher und gut begleitet werden. Ich bemerke immer wieder, wie sehr es die Kinder genießen, in unseren Trainern kompetente Ansprechpartner für digitale Themen zu finden. Und auch die Eltern sind froh und dankbar für die Unterstützung und das Angebot. Wichtig ist zudem unsere Zusammenarbeit mit Schulen. Lehrkräfte stehen heute vor der Aufgabe, neue Technologien in ihren Unterricht zu integrieren, und haben dabei einige Hürden zu überwinden. Mit von uns gestalteten Schulstunden und Workshops unterstützen wir sie aktiv in der Vermittlung digitaler Kompetenzen. Wir bieten zudem Lehrerfortbildungen an.

Ihre Kurse richten sich an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Trifft der vielgebrauchte Begriff „Digital Natives“ auf diese Kinder zu? Welche digitalen Kompetenzen bringen die Kinder in Ihren Kursen bereits mit?

Kinder kommen gerne in die Digitalwerkstatt und bringen dabei eine große Entdeckerfreude mit. Hinsichtlich neuer Technologie haben sie keinerlei Berührungsängste und auch keine Angst, etwas falsch zu machen – anders als viele Erwachsene. Grundsätzlich stellen wir fest, dass die Fähigkeit der Kinder in der Bedienung von Geräten deutlich stärker ausgeprägt ist als ihr Verständnis für deren Funktionsweise. Welche Kompetenzen sie konkret mitbringen, ist sehr unterschiedlich und hängt unserer Erfahrung nach wesentlich davon ab, welche Art von Zugang sie bereits dazu haben. Bezeichnenderweise ist für manche Kinder nur schwer zu begreifen, dass Hardware und Software von Menschen entwickelt werden, ja hergestellt sind. Dies entspricht nicht ihrer Lebenserfahrung: Für sie sind Geräte und Programme einfach da. Entsprechend wichtig ist es gerade für diese Kinder, die ermächtigende Erfahrung zu machen, dass sie nicht nur nutzen und konsumieren, sondern mit Technik selbst etwas bauen und gestalten können. 

Was überrascht Sie in der Arbeit mit den Kindern besonders und auf welche Herausforderungen stoßen Sie? Welche neuen Erkenntnisse und Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer Arbeit mit?

Ein wunderbarer Aspekt unserer Tätigkeit ist, dass wir jeden Tag Neues lernen! Interessant ist etwa, welche Bedeutung Sprache in unserer Arbeit hat. So hat es zum einen Auswirkungen auf die Lernmotivation der Kinder, wie wir mit ihnen sprechen. Zum anderen besteht ein großer Teil unserer Arbeit in der Sprachförderung. Wir unterstützen die Kinder aktiv dabei, Worte zu finden, um zu beschreiben, was sie umsetzen möchten. Die Fähigkeit, sich präzise ausdrücken zu können, ist auch in der Arbeit mit Technologie überaus wichtig. Zudem stoßen wir in unserer Arbeit immer wieder auf Geschlechterthemen. So beobachten wir, mit welcher Begeisterung sich Mädchen in unseren Schulformaten mit Technik beschäftigen. Gleichzeitig werden deutlich mehr Jungen für unsere Programmierkurse angemeldet. Um Mädchen für technische Themen zu gewinnen, halten wir es für wichtig, dass sie schon früh einen selbstverständlichen Zugang dazu finden können. Eine sehr schöne Erfahrung, die wir täglich machen dürfen, ist zu sehen, mit welcher Freude Kinder dabei sind, wenn sie selbstmotiviert und projektorientiert lernen. Sie erfahren dabei Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit. Das ist eine gute Grundlage dafür, sich in ihrer (auch digitalen) Welt souverän bewegen zu können.

Die Nachfrage an Kursen und Workshops für Programmieren, Robotik und digitales Tüfteln steigt. Auch die Digitalwerkstatt hat inzwischen mehrere Dependancen. Welche Kompetenzen benötigen Pädagogen in der Vermittlung digitaler Tools? 

Wer Kindern einen kreativen Umgang mit digitalen Tools vermitteln will, hat im besten Fall ein fundiertes technisches Verständnis. Mindestens so wichtig wie Fachwissen ist aus meiner Sicht aber eine offene, neugierige Haltung zu Technologie und Freude daran, selbst immer wieder Neues zu lernen. Und natürlich sind pädagogische, methodisch-didaktische Kompetenzen auch in unserem Arbeitsfeld sehr zentral. Pädagogen sollten aktive Begleiter der Kinder im Lernprozess sein. Statt fertiges Wissen zu vermitteln, geht es darum, neue Impulse zu geben, Kinder zu motivieren, selbst etwas herauszufinden zu wollen, eigene Fragen zu entwickeln, Probleme selbstständig zu lösen. In den Digitalwerkstätten arbeiten wir bewusst mit gemischten Teams aus Medienpädagogen, Softwareentwicklern, Elektrotechnikern, Gamedesignern und Lehrern. Gemeinsam entwickeln wir Lernkonzepte und Vermittlungsformate, bei denen pädagogische und technologische Aspekte zusammenkommen. Wir sind zudem natürlich Teil eines Netzwerks und arbeiten gerne mit anderen Initiativen und Projekten zum Beispiel aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammen. Damit alle Kinder Zugang zu digitaler Bildung erhalten, sind vielfältige Angebote und Formate wichtig. Dabei steckt viel Potential in Kooperation: Es ist bereichernd, voneinander und miteinander zu lernen und gemeinsam neue Wege zu gehen. Aktuell planen wir mit dem Projekt Wade e.V. unseren ersten generationsübergreifenden Robotik-Workshop für Großeltern und ihre Enkel.

Mit welchen Erkenntnissen und Erfahrungen gehen die Kinder im Idealfall aus Ihren Kursen nachhause? Was möchten Sie ihnen gerne mit auf den Weg geben? 

Wir freuen uns immer sehr, wenn Kinder die Digitalwerkstatt mit leuchtenden Augen verlassen, in dem Gefühl, etwas unerhört Neues ausprobiert, gelernt, gestaltet zu haben. Uns liegt am Herzen, dass Kinder verstehen, dass Technologie kein Selbstzweck und ein Computer oder ein Tablet mehr als ein Gameboy ist. Wir möchten, dass sie erfahren, dass es sich dabei um Werkzeuge handelt, mit denen Menschen – und auch sie – eigene Ideen realisieren können, wenn sie sich damit beschäftigen. Ein zentrales Ziel unserer Arbeit ist entsprechend auch die Entwicklung eines Urteilsvermögens: Für welches Vorhaben eignet sich welches Tool und warum? Für welche Phase nutze ich den Computer und wann doch besser Stift und Papier? Unsere Arbeit fokussiert also nicht nur auf die Vermittlung von Fertigkeiten im Umgang mit Technik. Es geht uns auch um die Konzepte dahinter. Im Programmierkurs lernen Kinder  neben einer bestimmten Programmiersprache auch wichtige Grundkonzepte des Programmierens wie Variablen, Loops oder Conditions und wie diese eingesetzt werden.Mitgeben möchten wir den Kindern zudem wichtige Metakompetenzen: So fördern wir sie zum Beispiel darin, im Team zu arbeiten, nicht frustriert aufzugeben, wenn etwas nicht gleich funktioniert, sondern sich gegenseitig zu unterstützen und mutig neue und kreative Wege zu finden, ihr Ziel zu erreichen. 

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