Digitale Hysterie – eine Handreichung

Georg Milzners Digitale Hysterie. Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen bestärkt die These: Eine kompetente Nutzung digitaler Medien ist heute eine wichtige Voraussetzung für ein glückendes berufliches und privates Leben und Erwachsene sollten Kinder und Jugendliche durch wahres Interesse und aktive Teilnahme beim Erkunden der digitalen Welt unterstützen. Der Autor legt auf rund 250 Seiten schlüssig dar, wie sich das kindliche und jugendliche Medienkonsumverhalten gestaltet und was an den in den vergangenen Jahren oftmals mit markigen Schlagzeilen wie „Digitale Demenz“ und „Abgetaucht nach Digitalien?“ hervorgebrachten Ängsten eigentlich dran ist. Die teilweise schon hysterischen Schreckensszenarien rund um die kindliche und jugendliche Mediennutzung untersucht und entkräftet Milzer in seinem Buch aus psychologischer Perspektive. Und der nüchterne Blick, den Milzer auf die Dinge hat, ist einer sachlichen Debatte zuträglich. 

Vorbehalte gegenüber dem „Neuen“ ablegen
Aufgrund der Erfahrungen, die der niedergelassene Kinder- und Jugendtherapeut Milzner in Zusammenarbeit mit Pädagogen und Eltern macht, kommt er zu dem Schluss, dass sich eine Vielzahl der Konflikte, die sich zwischen Erwachsen und Kindern und Jugendlichen wegen der Mediennutzung entspinnen, auf den nicht kompetenten Umgang der Erwachsenen mit digitalen Medien zurückführen lassen. Die typischen Reaktionen von Erwachsenen – Unverständnis, Abwehr und Verbot und deren Auswirkung auf die kindliche Psyche – werden in vielen Fallbeispielen aus Milzners langjährigem Erfahrungsschatz dargelegt. Für Milzner sind die Abwehr und Verbote der Erwachsenen oftmals ein Spiegel ihrer eigenen Ängste. Um aber tatsächlich ein gutes Aufwachsen mit digitalen Medien zu gewährleisten, sollten sich Eltern und Pädagogen eher als Mittler sehen und ihre eigenen Vorbehalte gegenüber dem „Neuen“ ablegen. 

Wie berechtigt ist die Dämonisierung der Computerspiele?
Der Fokus des Buchs liegt auf dem Computerspielverhalten von Kindern und Jugendlichen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie berechtigt die Dämonisierung von Computerspielen eigentlich ist. Milzner entschärft viele Ängste und führt zahlreiche Studien und eigene Eindrücke an, die vom Vorurteil des fettleibigen, computerspielenden „Amokläufers“ wegführen. So gelingt es ihm, die Diskussion zu Computersucht auf eine sachliche Ebene zu bringen. Dabei zieht er Parallelen zu anderen Formen der Mediennutzung, etwa zur viel beklagten Telefonie der 80-ziger und 90-ziger Jahre, der ähnlich schädliche Wirkungen auf Psyche und Entwicklung nachgesagt wurde. Deutlich schwerer fällt eine eindeutige Zurückweisung der Zusammenhänge des Spielens von Ego-Shootern und Gewalt. Obschon Milzner vielerorts darauf hinweist, dass es immer darauf ankommt, wer so ein Spiel spielt, und wie diese Person sozial eingebunden ist, bleiben doch Restzweifel; vor allem wenn Milzner selbst vergegenwärtigt, dass solche Spiele von Psychologen für das Training von Soldaten und für das gezielte Absenken von Hemmschwellen entwickelt wurden. Der Dämonisierung von Computerspielen wird überzeugend entgegengehalten, dass es eine Vielzahl hochkarätiger Computerspiele für Kinder und Jugendliche gibt, die Fantasie, Sprache und Geschicklichkeit fördern. Tendenz steigend, denn die Spieleindustrie ist gewaltig. 

Menschen aller Altersstufen sollten Medienkonsum kritisch hinterfragen
Das Buch schließt im letzten Kapitel mit  einer schlüssige Analyse des Medienkonsums in unser Gesellschaft heute. Hier wird besonders deutlich herausgearbeitet, dass vieles, was bei Jugendlichen und Kindern als Störung bemängelt wird, bereits von Erwachsenen vorgelebt wird. In diesen Passagen fasst man sich als Leser manchmal doch erstaunt an die eigene Nase. Alles in einem ein reichhaltiges Buch, das nachdenklich stimmt und vergegenwärtigt, dass nicht nur Grundschüler den Bedarf haben, digital kompetenter zu werden, sondern auch die Eltern- und Lehrergeneration.

Georg Milzner (2016), Digitale Hysterie. Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen, Weinheim: BELTZ, 255 Seiten, ISBN: 978-3-407-86406-2.

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